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Gastrezension: Dune von Frank Herbert

Inhalt

Diese Rezension stammt von Horatio, die erste von hoffentlich vielen Gastrezensionen aus seiner Feder. Danke dafür! Ich selber habe Dune noch immer nicht gelesen, obwohl es seit 2020 auf meinem SuB liegt.

Gastrezension: Dune

Kurzmeinung: Ein Benchmark der Science-Fiction-Literatur. Beginn eines grandiosen Zyklus in neuer Übersetzung.

 

Spannend/komplex/legendär.

 

Mit dem Roman "Der Wüstenplanet" (Originaltitel: "Dune"), erschienen im Jahr 1965, schuf Frank Herbert ein Monument der Science-Fiction-Literatur und den Beginn eines großen Zyklus, der gerade heute wieder von besonderer Aktualität ist.

 

„Vom Wasser herkommt alles Leben.“ [aus: Orange-Katholische Bibel - "Dune"]

 

Die Handlung ist in sehr ferner Zukunft angesiedelt. Die Menschen leben in einer feudalistisch organisierten, posttechnologischen Gesellschaft, die von einem Imperator und verschiedenen Adelshäusern dominiert wird. Dem Wüstenplaneten "Arrakis" kommt eine erhebliche strategische Bedeutung zu, denn er ist der einzige Ort im Universum, auf dem das kostbare "Gewürz", eine für die interstellare Raumfahrt benötigte Droge, geerntet werden kann. Seine Oberfläche ist nahezu vollständig von Wüsten bedeckt, die von gigantischen Sandwürmern durchwandert werden. Vor den Würmern durch Felsen geschützt gibt es einige befestigte Stützpunkte der Menschen und eine unbekannte Anzahl von Siedlungen der einheimischen Fremen, die in einer Kultur der Entbehrungen gelernt haben der lebensfeindlichen Wüstenwelt zu trotzen. 

 

„Und es kam der Tag, an dem Arrakis die Achse des Universums war - und das Rad bereit, sich zu drehen.“ [aus: >Arrakis erwacht< von Prinzessin Irulan "Dune"]

 

Vor diesem dem Hintergrund entfaltet sich die epische Auseinandersetzung zwischen den Häusern der verkommenen Harkonnen und der loyalen Atreides um die Vorherrschaft auf Arrakis mit Folgen für die Zukunft der Menschheit.

 

Frank Herbert schuf als Hintergrund für den Wüstenplaneten eine von den Auswirkungen des Wassermangels geformte Kultur sowie eine komplexe Ökologie. Der Umgang mit der unendlich kostbaren Ressource Wasser und die Pläne eines kaiserlichen Planetologen bezüglich der im ersten Band bereits angedeuteten Kippunkte des gesamten Ökosystems, geben in der heutigen Zeit sehr zu denken.

 

Auch die überzeugende und ausgearbeitete Darstellung religiöser Dynamiken ist ein Schwerpunkt des Werkes und von großem Belang. In weiten Teilen ist religiöser Fanatismus anzutreffen, der von den Beteiligten skrupellos manipuliert und instrumentalisiert wird. Ein uralter religiöser Orden, die "Bene Gesserit" hat zudem eine dominierende Stellung im "Dune-Universum" inne und übt im Hintergrund und mit Hilfe bereits vor Jahrtausenden geschickt gestreuter Mythen seine Macht aus.

 

Der Roman, wie auch der gesamte Zyklus, ist zudem stark durchzogen von philosophischen und mystischen Reflexionen, die das durch Frank Herbert detailliert ausgearbeitete Universum im Hintergrund erahnen lassen.

 

„Tief im Unterbewusstsein des Menschen befindet sich der alles durchdringende Wunsch nach einem Universum, das einen logischen Sinn ergibt. Doch das echte Universum liegt immer einen Schritt jenseits der Logik.“ [aus: >Gesammelte Aussprüche des Muad`Dib< von Prinzessin Irulan]

 

"Der Wüstenplanet" ist derzeit sowohl in neuer Übersetzung von Jakob Schmidt als auch in der älteren und bekannteren Übersetzung von Roland M. Hahn erhältlich. Die verschiedenen Übersetzungen des Romans unterscheiden sich erheblich und haben einen erheblichen Einfluss auf die Rezeption des Werkes. Gerade die in Satzkonstruktion und technischem Vokabular gediegenere, altertümlicher anmutende Übersetzung von Roland M. Hahn passt meiner Meinung nach sehr gut zu dem posttechnologischen, feudalen Dune-Universum und wird von mir bevorzugt. Sie ist jedoch aus heutiger Sicht etwas ungewohnt und auch nicht ganz einfach zu lesen. Die neue Übersetzung von Jakob Schmidt kommt dagegen erheblich modernisiert und flotter, vielleicht jedoch ein wenig zu glatt daher. Sie ist in jedem Fall jedoch eingängig und zeitgemäß. Nachfolgend eine kleine Verdeutlichung durch Gegenüberstellung beider Übersetzungen:  

 

(Neufassung, J. Schmidt) "Thufir Hawat, der Assassinenmeister seines Vaters, hatte es ihm erklärt: Ihre Todfeinde die Harkonnen, waren achtzig Jahre lang auf Arrakis gewesen und hatten den Planeten im Rahmen eines Vertrags mit der MAFEA-Gesellschaft mehr oder weniger als Lehen gehalten, um dort das geriatrische Gewürz Melange abzubauen." 

 

(Altfassung, M. Hahn) "Der Befehlshaber der Assassinen seines Vaters, Thufir Hawat, hatte ihm erklärt, dass Arrakis während der letzten achtzig Jahre das Lehen der Harkonnens, der Todfeinde der Atreides`, gewesen sei, weil sie mit der MAFEA einen Vertrag abgeschlossen hatten, der ihnen die alleinigen Schürfrechte beim Abbau des altershemmenden Gewürzes Melange zusicherte." 

 

Als ideologisch problematisch und auch inhaltlich nicht immer ganz nachvollziehbar stellen sich der im Roman vorherrschende "Führerkult" sowie auch die bei allen Parteien erkennbare Tendenz dar, Probleme regelmäßig allein mit der Anwendung von Gewalt zu lösen. Auch wenn beides grundsätzlich durchaus zum Plot passt, ist diese ideologische Problematik des Romans aus heutiger Sicht doch beunruhigend und sollte bei der Lektüre zumindest bewusst sein und vergegenwärtigt werden. 

 

Neben so vielen anderen spannenden Punkten interessant, ist die Rolle der Frauen in dem auf Arrakis bestehenden feudalen, von Männern dominierten Gesellschaftssystem. Auf den ersten Blick scheinen traditionelle Frauenrollen vorzuherrschen. Allerdings hat Frank Herbert mit dem umfassend ausgearbeiteten Orden der Schwesternschaft der Bene Gesserit und deren prominenten sowie mächtigen weiblichen Ange-hörigen, der Stellung der Frauen im Dune-Universum auch eine sehr große Komplexität und geradezu dominierende Position verliehen.

 

Vieles mehr gäbe es noch zu entdecken, erforschen und zu berichten. Das Dune Universum ist ungeheuer komplex und detailliert ausgearbeitet, so dass hier nur ein kleiner Ausschnitt erörtert werden kann.

 

"Der Wüstenplanet" ist keine leichte Kost aber ganz sicher ein wichtiger Meilenstein des Genres. Er ist zudem spannend zu lesen und allen Freundinnen und Freunden anspruchsvoller Science-Fiction-Literatur uneingeschränkt zu empfehlen. Ein großes Lesevergnügen!

Rezeption dieser Rezension

Manchmal werden quasi Rezensionen rezensiert - tolles Feedback für Horatios Gastrezension gab es vom Kaffeehaussitzer in seinem Artikel über Fundstücke aus dem Oktober. Toll! Danke!

Harte Fakten

Titel Der Wüstenplanet (original: Dune) 
geschrieben von Frank Herbert 
Gastrezension ja, danke an Horatio
übersetzt von Roland M. Hahn bzw. Jakob Schmidt (neu)
Erscheinungsjahr original 1965
Original Twitter Tweet https://twitter.com/Rezensionsnerd1/status/1452544735978131456

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Kommentare: 3
  • #1

    Manuel (Montag, 20 Dezember 2021 18:40)

    Ich stehe selber vor der Entscheidung welche Übersetzung ich lesen soll,nachdem ich vom Film begeistert bin. Ich habe nun die Hahn Version als Ebook und die Schmidt Version als Buch von der Bibliothek. Schmidts Übersetzung kommt mir trotz gewollter Vereinfachung holpriger vor obwohl ja viele behaupten dass sich der Lesefluss gebessert hat. Vielleicht liegt es daran dass ich die "alte" Sprache die in Hahns Version vorkommt gewohnt bin da ich viele Klassiker lese.
    Konkrete Beispiele habe ich jetzt nicht zur Hand, doch ich kann mich erinnern dass in den Kapiteln wo Thufir und Gurney (Training mit Paul) am Anfang auftauchen ich viele Sätze der Schmidt Übersetzung schlecht fand. Es wird ja behauptet dass Ronald Hahn viel ausgelassen hat und selber ergänzt hat,dies habe ich beim vergleichen der ersten 200 Seiten nicht bemerkt.

    Ich denke ich werde bei der alten Hahn Version bleiben, dort klingt die deutsche Sprache einfach gehobener, schöner.

    Was ich sehr schade finde ist dass es weder eine gebunden noch eine qualitativ hochwertige Taschenbuch Version der Hahn Version gibt,die von Heyne hat ein kleines Format und hat eine minderwertige Druckqualität. Die neue Übersetzung ist nahezu perfekt gebunden mit kontrastreicher Schrift.

  • #2

    Horatio - Buecher (Dienstag, 21 Dezember 2021 08:48)

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung.

    Mir geht es ganz genauso wie Dir. Auch mir gefällt die Übersetzung von Roland M. Hahn wesentlich besser. Sie passt einfach ideal zu dem posttechnologischen Sujet, gilt aber allgemein als nicht ganz einfach zu lesen.

    Soweit ich informiert bin betrifft Deine vollkommen richtige Anmerkung zu den Auslassungen älterer Übersetzungen allerdings nicht die von Roland M. Hahn, sondern noch davor die allererste Übersetzung von Wulf H. Bergner. Diese wird zwar vielfach sehr gelobt, allerdings sollen hier tatsächlich viele Seiten weggelassen worden sein.

    LG und viel Freude bei der Lektüre dieses wunderbaren Zyklus Horatio-Buecher

  • #3

    X.Mai (Dienstag, 05 März 2024 17:28)

    Verflucht, ich lese gerade die neue Auflage und bin dessen etwas enttäuscht von der Sprache, sie ist im vergleich zu dem Beispiel plump, einfach, degenarierent, mit dem Umgang mit etwas zu einfach, man könnte auch Flott dazu sagen das Position allgemein güter werden, überall steht Dune im Internet aber nicht genau wer was übersetzt hat, den Aufdruck sieht man nicht und es wird erst wenn man das Buch besitzt ersichtlich nach etwas suchen wer was Übersetzt hat, als sei es einfach allgemein gültig geworden das es nicht darum ging wer was Übersetzt hat sondern das es einfach Übersetzt ist in ein modernes weniger genüssliches Deutsch oder wie erwähnt degenarierent.
    Wahrscheinlich werde ich die Leidenschaft der alten deutschen Sprache niemals wirklich verstehen da sie mich nicht zwanghaft wie die heutige umgibt. Es ist schade das es sich so entwickelt hat, weniger bedacht des flusses gebent. Ich werde wahrscheinlich auch keine neue Auflage von der alten Übersetzung bekommen, den was gut und alt ist verschwindet, den das alte muss weg, leder gab es auch kein richtiges Gebundenes Buch von Dune wie sehr mini malistische Gestaltung wo sich auch einfach das Cover entfernen lässt, ein gutes Buch braucht kein Cover meiner Meinung nach, und Bilder im Buch erst recht nicht, es ist Aufzwingung und dies schadet nur dem Buch. Wenn schon Buch gescheit, aber dann noch überteuerte extra Auflagen anbieten damit man jede Kleinigkeit ausnutzen kann für Gewinn. Es gibt entweder naja Qualität oder Sehr hohe, wo man von den Preisen bei Deutsch 45€ für ein Buch will. Naja so ist es eben, mehr kitsch, Farbbilder damit es Menschen anzieht wie Qualität zu benutzen für kurzweiligen gebrauch, man will ja das Buch nur einmal lesen und wenn immer wieder neu Kaufen. So ist es halt auch Bücher entgehen nicht der Deutschen Marktwirtschaft wie tricks damit Preise gleich bleiben. Warum kann man sich nicht gleich Cover Individuelle Bestellen mit den gleichen Text oder Übersetzung die man will.