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Hereafter - Das Leben danach (Film) von Clint Eastwood

Inhalt

Obwohl ich viele SF-Filme und andere phantastische Filme schaue und mir die Anregungen sogar fast immer aus den vergangenen Ausgaben der Science Fiction Jahre hole, rezensiere ich kaum Filme.

Mit Filmen kenne ich mich generell weniger gut aus und dieser Blog fokussiert ganz eindeutig auf Prosa.

 

Aber hier und da kann ich schon mal eine Ausnahme machen und ich habe das Bedürfnis, etwas ausführlicher und persönlicher über diesen Film zu sprechen. Das ist also keine professionelle Rezension (was die zu Prosa natürlich hier IMMER und GRUNDSÄTZLICH sind, klar :-) ), sondern eine Art Filmschau-Tagebuch.

 

Ein französisches Paar im Hotel irgendwo im malerischen Süden. Der Mann bleibt faul im Hotelbett, die Frau, Marie, geht Geschenke für seine Kinder auf dem hiesigen Markt einkaufen (offenbar handelt es sich also um eine Affäre oder etwas ähnliches). Er steht auf dem Balkon und sieht einen wirklich beeindruckenden Tsunami auf den Strand zurollen. Sie wird auf dem Markt natürlich voll davon erwischt, ertrinkt fast und wird von ein paar tapferen Schiffsleuten wiederbelebt. Zwischendurch war sie allerdings durchaus woanders (=Hereafter), was im Film etwas befremdlich, aber recht überzeugend durch schattenhafte Gestalten angedeutet wird.

 

Und nun zu etwas völlig anderem: Der ältere Bruder der Hauptfigur George, die von Matt Damon gespielt wird, überredet diesen, mit einem griechischem Geschäftspartner ein Reading durchzuführen. Das bedeutet, dass der Protagonist Kontakt aufnimmt zu einer verstorbenen Person, die dem Geschäftspartner nahe gestanden hat, in diesem Fall seine an MS verstorbene Ehefrau. George (Matt Damon) kriegt es auch hin, dass es keinen Moment albern wird und ich ihm das unwillige Medium abkaufe. Danach schimpft er mit seinem Bruder - er will so etwas doch nicht mehr machen. 

 

Erneut zu etwas völlig anderem. Die eineiigen Zwillinge Jason und Marcus, vielleicht etwa 12 Jahre alt, bei einem Foto-Shooting. Sie wohnen bei ihrer alleinerziehenden Mutter, die offenbar ein Problem mit Heroin hat und das Sozialamt ist ihr dicht auf den Fersen. Eine schwer zu ertragende Szene, in der die Jungen sie decken, damit das Jugendamt nicht eingeschaltet wird, die aber auf eine Art auch beeindruckend ist ob der Effizienz und des Einfallsreichtums der beiden. Und doch rennt ein kleines Männchen in meinem Kopf mit einem Schild herum, auf dem in dicken Buchstaben steht, dass Kinder sich nicht gezwungen sehen sollten, so etwas tun zu müssen. Dann stirbt einer der beiden. 

 

Wieder zu George (Matt Damon), der an einem Kochkurs teilnimmt und dabei einer sehr nervigen Frau näher kommt, die nicht begreifen will, dass er nicht mehr als Medium arbeiten will. Als sie von seiner "Gabe" (oder seinem Fluch) erfährt, nötigt sie ihn quasi dazu, mit ihr ein Reading zu machen. Ein absolut respektfreies Verhalten, das ich kaum ertragen kann. Immerhin, Matt Damon gelingt es besser und besser, seiner Figur absolute Sympathie einzuflößen, ich würde sogar sagen, dass mir eine von ihm verkörperte Figur noch nie so sympathisch war, nein, auch nicht Will Hunting.

 

Wie wollen sie die drei Erzählströme nun zusammenbringen?, frage ich mich, als ich mal wieder eine der typischen Pausen mitten im Film einlegen muss, da ich selten einen zweistündigen Kinofilm an einem Abend schaffe, seit unser erstes Kind geboren wurde. Das Thema ist klar, es geht um das "Hereafter", sowohl die französische Journalistin Marie zu Beginn des Films als auch die von Matt Damon verkörperte Figur hatten Nahtoderlebnisse. Marcus hat seinen Zwillingsbruder verloren und möglicherweise Bedarf nach einem Reading. Doch nach einer Filmstunde befinden sich die drei noch in unterschiedlichen Ländern (FR, UK, USA).

 

Der Film nimmt sich Zeit, ist trotzdem spannend und irgendwie zwingend. Als ob er wirklich etwas zu sagen hätte.

Was etwas gewöhnungsbedürftig ist: Ich habe lange Zeit den Eindruck, ich schaue drei Filme abwechselnd. Obwohl das Thema: Verlust eines nahen Menschen bzw. Nahtoderfahrung in allen drei Handlungssträngen die Hauptsache ist, dauert es doch bis kurz vor Ende des Films, bis die drei Personen am gleichen Ort zur gleichen Zeit sind. Das Ende ist teilweise befriedigend.

Sehr zufriedenstellend ist die Begegnung zwischen George (gespielt von  Matt Damon) und dem verbliebenen Zwilling Marcus. Etwas zu kurz kommt die zwischen George und der französischen Autorin und Journalistin Marie. Soll das jetzt einfach Liebe auf den ersten Blick sein und fertig? Das ist mir etwas dünn. Ein gutes Gespräch über gemeinsame Erfahrungen mit dem Tod hätte mir besser gefallen, alles andere hätte ruhig offen bleiben können. Trotz einiger Einschränkungen ist das aber durchaus ein interessanter Film. Es spielt nicht in der Liga von "Million Dollar Baby", aber die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ist durchaus gelungen, wenn ich auch das Gefühl habe, hier wurde lediglich ein Denkanstoß gegeben, noch nicht in die Tiefe gegangen. Da geht noch was. Es ist aber auch OK, wenn das dann in meinem eigenen Kopfkino stattfindet.

  

In letzter Zeit hatte ich ein Händchen für seltsame Filme. "The Lobster" mit Colin Farrell und Rachel Weisz war vermutlich der heftigste, aber auch "Twixt" mit Elle Fanning und Val Kilmer war doch deutlich neben der Spur. Hier daheim denkt man inzwischen auch, dass ich wirklich, wirklich seltsame Quellen für meine Filmauswahl habe. Dabei lese ich tatsächlich Rezensionen, mache mir Notizen und schaue dann, welche Filme kostengünstig oder sogar in bereits vorhandenen Abos kostenlos anzuschauen sind. Dabei brechen wir selten Filme ab und wenn, dann nach drei Minuten. Oft wird es sehr blutig, daher freue ich mich, als FSK 12 zu Beginn von "Hereafter" einblendet wird. Super. Offenbar muss ich nicht wieder ständig wegschauen, weil Menschen Körperteile einbüßen oder jemand fies gefoltert wird.

 

Das ist jetzt nicht so der typische Matt-Damon-Film, wobei das als Aussage wohl auch kaum etwas taugt, zwischen der Bourne-Identität und Good Will Hunting liegen ja auch nicht unbedingt nahe nebeneinander. Was aber definitiv untypisch für us-amerikanische Filme ist, ist, dass gut ein Viertel des Filmes nur auf französisch gesprochen wird. Klar, es gibt Untertitel, aber meiner persönlichen Erfahrung nach mögen die Amis das nicht und schauen solche Filme nicht an. Sie synchronisieren ja normalerweise nicht einmal. Sie drehen neu. Einzig "Lola rennt" habe ich tatsächlich mal in meiner USA-Zeit synchronisiert geschaut, da wäre ein Neu-Dreh wohl auch ein völlig anderer Film geworden.

 

Den Tipp habe ich aus dem Science Fiction Jahr 2012 (das Review gibt allerdings nur drei von sechs Sternen). Offenbar gab es eine Story von Harlan Ellison, "Jeffty is Five" (1977), in der es eine Referenz auf Clint Eastwood gibt. Allerdings hat sich das Image von Eastwood seitdem schon sehr geändert. Laut der Rezension im SF Jahr wir die Universalität dadurch unterstrichen, dass die drei Erzählstränge in unterschiedlichen Ländern stattfinden (USA, UK, Frankreich). Die Besprechung hatte mich neugierig gemacht, obwohl die Bewertung ja eher nur so mittelgut ist und ich muss in vielen Teilen dem Rezensenten Lars Zwickies auch recht geben - auch wenn ich eher zu 4 von 6 Punkten tendiere als nur zu drei. Und das trotz der unnötigen kitschigen Musik in der letzten Szene.

Diversität

Wie bei den  meisten us-amerikanischen Filmen gibt es in Nebenrollen auch POC und Einwanderer aus aller Herren Länder. Die Hauptfiguren sind allerdings alle weiß. Es hätte die Universalität des Themas besser unterstrichen, wenn wenigstens eine:r der Figuren eine andere kulturelle Herkunft gehabt hätte.

Harte Fakten

Titel Hereafter 
Regisseur Clint Eastwood
Erscheinungsjahr 2010 
Länge Film 129 Minuten 
Original Twitter Tweet https://twitter.com/Rezensionsnerd1/status/1410664750510489605 

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